Die Unendlichkeit ist kein Ort


Die Fotoserie „X.Berg - Day and Night“ von Ulrich Diezmann bietet zunächst ästhetische Blicke auf seine – und auch meine – Nachbarschaft, weitab des Trubels und Hypes. Wir schauen auf parallele Wasserwege, Gleise und Straßen, und auf blanke Mauern deren Oberkanten einen vordergründigen Horizont simulieren.

Verführt uns der Künstler in eine ästhetische Ruhezone? Will er uns vielleicht die Vorzüge eines klassischen Schönheitsideals zeigen, wo Geist und Materie eine Einheit bilden? Es sind doch ausgewählte Momente, die in ihren einfachen Kompositionen einen gezielten Blick auf die Welt wiedergeben. Es wird nach einer metaphysischen Ebene hinter vielschichtigen Realitäten gesucht, hinter den Dingen.

Die Natur selbst strahlt von einem Lichtpunkt aus, vom Mond, von Lampen, hinter einer Wolke: Tag und Nacht. Um Schwarzweißmalerei zu vermeiden, reduziert Diezmann die Farbpalette in warm und kühl: Tag und Nacht.

In den Ausschnitten sind äußerst selten Menschengestalten zu sehen. Aber auch wo kein Mensch ist, ist seine Präsenz als Umweltgestalter doch in den diagonalen und gradlinigen Strukturen nachweisbar. Hier treffen sich Mensch und Natur am perspektivischen Punkt oder am linearen Horizont. Wie die Unendlichkeit, sind diese keine wirklichen Orte, weisen aber auf die Unvergänglichkeit der Seele und der Kunst hin.

„Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ - Paul Klee

William Wires, Berlin 2015